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EM-Tickets fast ausverkauft

Die Gastgeberländer der Fußball-EM, Polen und die Ukraine, können mit dem Kartenvorverkauf vollauf zufrieden sein. Bereits 95 Prozent aller 1,4 Millionen Tickets wurden verkauft. “In Polen sind alle Tickets weg, in der Ukraine haben wir noch 50.000 Stück”, erklärt der Leiter des UEFA-Kartenverkaufs, Pedro Correia. Das überhaupt noch Karten übrig sind liegt daran, dass nicht alle nationalen Verbände ihre Kontingende ausschöpfen konnten. Correia: “Dafür gibt es verschiedene Gründe, zum Beispiel die finanzielle Situation in Europa, die Reisekosten oder die Unterkunftspreise”. Sorgen darüber, ob die letzten Karten noch verkauft werden können, machen sich die Veranstalter allerdings nicht. Auch bei der letzten Europameisterschaft vor vier Jahren, wurde ein Großteil der Tickets erst kurz vor den Spielen verkauft. Viele Fans, die für mehrere Tage in den Spielorten bleiben um sich dort die Fanmeile und die Stadt anzusehen, hoffen auf eine solche Chance auf ein weiteres Ticket.

Die polnische Stiftung “Nowoczesna Polska” teilte mit, dass eine gemeinsame neue Bildungsinitiative in Zusammenarbeit mit dem polnischen Bildungsministerium begonnen hat. Demnach wurden 11 Milliarden Euro für Bildungsmaterial bereit gestellt. Mit dem Geld werden noch in diesem Jahr die Schüler der vierten bis sechsten Klasse mit digitalen Schulbüchern ausgestattet. Diese E-Books sollen unter der CC-BY-Lizenz veröffentlicht werden, wodurch es keine rechtlichen Einschränkungen beim kopieren oder verändern des Lehrmaterials geben wird. Im Gegensatz dazu müssen Lehrer in Deutschland sogar mit der heimlichen Kontrolle ihrer Schulrechner durch “Schultrojaner” rechnen. Die Landesregierungen der deutschen Bundesländer hatten den Rechteinhabern von Lehrmaterial (Verlage und Verwertungsgesellschaften) zugestanden, dass diese einen Teil aller Schulcomputer auf eventuelle Plagiate durchsuchen dürfen. Die Lehrer in Polen bekommen statt dessen Unterstützung von der Regierung und Premier Donald Tusk, der die neue Bildungsinitiative in der vergangenen Woche offiziell verabschiedet hat.

Priesterexport aus Polen

Trotz allmählicher Abkehr von der Kirche, hat Polen noch immer eine große katholische Gemeinde, zu der – zumindest auf dem Papier – fast 95 Prozent aller Polen gehören. Gleichzeitig sinkt die Zahl der registrierten Katholiken in den meisten anderen europäischen Ländern rapide, so dass immer mehr Gemeinden zusammen gelegt und Kirchen geschlossen werden müssen. Das führt auch zu einer Reduzierung der Priesterausbildung in den betroffenen Ländern. Einerseits lässt sich nur schwer einschätzen, wie viele Pfarrer in den kommenden Jahrzehnten dort gebraucht werden, andererseits schwindet die Bereitschaft junger Menschen, sich den mit dieser Aufgabe verbundenen Einschränkungen zu unterwerfen. Deshalb sind viele Diözesen dazu übergegangen, erfahrene Priester aus Polen zu engagieren. Tatsächlich sind einige Länder bereits von der Unterstützung aus Polen abhängig. “Ohne importierte Priester würden etliche österreichische Pfarren nicht funktionieren, weil es zu wenig Priester gibt”, erzählt der Rektor der Ordensgemeinschaft der Resurrektionisten, Krzysztof Kasperek, aus der Polnischen Katholischen Mission in Wien. Allein in der Österreichischen Hauptstadt leben und arbeiten 120 polnische Priester. Kasperek ist einer von ihnen. Seit zwanzig Jahren wirkt er in Österreich. Kasperek: “In Polen gibt es noch eine andere katholische Tradition und Kultur, die Priesterberufungen begünstigt”, erklärt er. Trotz teilweise vorhandener sprachlicher Hürden empfinden er und seine Kollegen die Arbeit im Ausland als Bereicherung. Berührungsängste der Gemeindemitglieder sind selten. Viele der einheimischen Kirchengänger empfinden die Messen der polnischen Pfarrer lebendiger, als die ihrer Landsleute, was wohl eine Folge der selbstverständlicheren Religiösität in Polen ist.

Große Gesellschaftliche Veränderungen führen häufig dazu, dass sich ein Teil der davon betroffenen Menschen verstärkt traditionellen Bräuchen und Riten zuwendet, um Halt und Sicherheit in der sich ändernden Welt zu finden. Seit 1989 das Bürgerkomitee Solidarność in Polen die ersten freien Wahlen nach der Auflösung des kommunistischen Regimes gewann, hat sich in Polen viel verändert. Das Land bekam eine neue Verfassung, schaffte den Weg in die freie Marktwirtschaft und ist seit 2004 Mitglied der EU. Nicht alle der Änderungen werden als positiv empfunden, denn nicht nur die wirtschaftlichen, auch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Denkweise und Geisteshaltung der Menschen in Polen unterliegen einem Wandel, mit dem nicht jeder zurecht kommt. Das führt einerseits zu einer allmählichen Abkehr tradierter religiöser Moralvorstellungen, andererseits aber auch zur Radikalisierung einzelner Gruppen. So kommt es, dass zwar die Zahl der Menschen die Glauben praktizieren sinkt, gleichzeitig jedoch fast vergessene Rituale wieder mehr Zulauf bekommen. Teufelsaustreibungen zum Beispiel, die eigentlich seit Jahrhunderten nur noch als Randerscheinung des christlichen Glaubens galten, ziehen in Polen immer mehr Menschen an. Arbeiteten hier noch vor zehn Jahren kaum mehr als ein Dutzend Exorzisten, sind es heute schon über einhundert. Stanislaw Deszcz, der selbst seit vier Jahren als Exorzist tätig ist, hält in gewisser Weise auch die Abkehr vom Glauben für den Hauptgrund des verstärkten Bedarfs an Teufelsaustreibern: “Wo der Glaube schwächer wird, bekommt das Böse einen größeren Einfluss auf das Leben. Die Kirche weiß das, deshalb wird das Exorzismusgebet neu entdeckt. In Polen gibt es kaum eine Diözese ohne Exorzisten. In manchen arbeiten sogar acht Priester. Zum letzten Exorzistentreffen in Tschenstochau kamen Gäste aus Frankreich, aus Österreich und aus Deutschland.” Viele Menschen haben ein Bedürfnis nach Mythen und Wundern, für das sie sich jedoch nicht mehr in das starre Korsett kirchlicher Dogmen zwängen möchten. Okkulte Praktiken, Wahrsagerei, Hexerei und alle Arten von Magie, beleben nicht nur die Film- und Literaturszene, sondern bekommen auch im realen Leben immer mehr Zulauf. Rund 500 Millionen Euro geben die Menschen in Polen allein für Wahrsager und Kartenleger aus – eine Entwicklung, der die katholische Kirche gern entgegen steuern möchte. Magische Praktiken öffneten dem Teufel “Tür und Tor”, mahnen katholische Priester an. Verzögern oder gar verhindern werden sie die Zersplitterung religiöser Gemeinschaften damit nicht. Im Gegenteil. Auch das stärkere Interesse für Rituale wie Heilungsmessen und Teufelsaustreibungen sind Teil der Entfremdung von großen monotheistischen Religionen und die Hinwendung zu individueller Religiosität.

Der polnische Enthusiasmus über die Energie-Erzeugung mit heimischen Schiefergas, bekam jetzt einen Dämpfer. Als Schiefergas werden Gasvorkommen bezeichnet, die in einigen Kilometern Tiefe in Gesteinsschichten eingeschlossen sind. Erste Probebohrungen hatten ergeben, dass davon in Polen größere Vorkommen vorhanden sind. Daraus abgeleitete Hochrechnungen ergaben, das bis zu fünf Billionen Kubikmeter Erdgas in Polen lagern könnte. “Meine Generation wird es noch erleben, dass Polen unabhängig von russischen Lieferungen sein wird”, kündigte Regierungschef Donald Tusk, nach Bekanntwerden der Zahlen an. Er hoffte, dass Polen sich zeitnah selbst versorgen und dadurch von russischen Gasimporten unabhängig werden würde. Genauere Untersuchungen haben inzwischen jedoch ergeben, dass sich das Gesamtvorkommen auf maximal ein Drittel der erhofften Menge beläuft und davon nur ein Teil – Experten gehen von 20 bis 50 Prozent aus – gefördert werden kann. Auch ökologische Probleme bringt der Abbau von Schiefergas mit sich, da die einzig bekannte Abbaumethode große Mengen Grundwasser verseucht und die Erdbebengefahr erhöht. Trotzdem hofft die Regierung, alle Probleme zu lösen und in drei Jahren das erste Schiefergas fördern zu können.

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