Erstmals Klage gegen katholische Kirche in Polen

Die katholische Kirche muss sich zum ersten Mal auch in Polen wegen sexuellem Missbrauch von Kindern vor Gericht verantworten, wie die Helsinki-Stiftung für Menschenrechte bekannt gab. Kläger ist ein 25-jähriger Mann, der einen Priester beschuldigte, ihn in seiner Kindheit missbraucht zu haben. Neben dem betroffenen Geistlichen erstreckt sich die Klage auch auf die Institution der Kirche, die jahrelang bekannt gewordene Missbrauchsfälle vertuschte und verhinderte, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Im vorliegenden Fall war die Schuld des Priesters bereits 2012 vor Gericht bestätigt, und der Täter zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Die zuständige Diözese hatte sich jedoch geweigert, den festgelegten Schadensersatzanspruch zu begleichen. Deshalb wird jetzt, in einem zweiten Verfahren, die Kirche selbst verklagt. Das Gericht muss einerseits die finanzielle Verantwortung gegenüber den Verpflichtungen ihrer Priester und andererseits die durch Vertuschung entstandene Mitschuld der Institution prüfen. Es ist das erste Mal, dass die in Polen sehr mächtige katholische Kirche deswegen zur Rechenschaft gezogen wird. Während in anderen Ländern seit mehreren Jahren wegen Kindesmissbrauchs und Misshandlungsvorfällen gegen die katholische Kirche vorgegangen wird, kommt die Aufarbeitung der bekannt gewordenen Fälle in Polen nur langsam in Gang. Erst im Oktober vergangenen Jahres hatten sich namhafte Kirchenführer im Namen der Kirche für die Taten ihrer Priester entschuldigt, die noch immer nur unzureichend offengelegt und geahndet wurden. Deshalb hat der zuständige UN-Ausschuss inzwischen dem Vatikan eine massive Verletzung der Kinderrechtskonventionen vorgeworfen und ihn dazu aufgefordert, sofort alle tätlich gewordenen Priester ihres Amtes zu entheben und sie der Justiz zu übergeben.

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