Wachsender Gasbedarf in Polen

Der Gasbedarf in Polen steigt mit der wachsenden Wirtschaft. Damit wächst auch die Bedeutung sicherer Gas-Zulieferungen. Nicht nur um den Energiebedarf zu decken, sondern um, wie von der Europäischen Union geforderten, die CO2-Emmissionen zu reduzieren, ohne Stromausfälle zu riskieren. Bisher wird in Polen 95 Prozent des gesamten Energiebedarfs durch Steinkohle gedeckt, was sich in der hohen CO2-Belastung der Luft wieder spiegelt. Zwar versucht die amtierende Regierung durch den geplanten Bau zweier Atomkraftwerke und der Förderung regenerativer Energien den CO2-Ausstoß zu verringern, doch das braucht Zeit. Mit erneuerbaren Energien lassen sich kurzfristig höchstens zwanzig Prozent des Energiebedarfes decken – der Bau von Atomkraftwerken wurde bisher in Polen durch Proteste der Bevölkerung, denen noch der Schock des Tschernobyl-Unglücks in den Knochen steckt, verhindert. Doch selbst wenn Prämierminister Donald Tusk seine AKW-Bau-Pläne umsetzen kann, wird es noch Jahre dauern, bis diese an das Stromnetz angeschlossen werden könnten. Deshalb fällt es der polnischen Regierung auch schwer, die EU-Richtlinien zur Liberalisierung des Europäischen Gas- und Strommarkts umzusetzen. Zwar plant das Wirtschaftsministerium ein neues Gasrecht, bisher wurde aber noch kein entsprechender Gesetzesentwurf vorbereitet. 98 Prozent des polnischen Gasmarktes wird derzeit vom einzigen Gasversorger, PGNiG, beherrscht. Die Preise werden in Polen noch immer amtlich vorgegeben. Das Wirtschaftsministerium besteht darauf, diese staatliche Preisregelung noch einige Jahre beibehalten zu können, um die Verbraucher vor zu hohen Preisen zu schützen. Die EU-Energiekommission dagegen ist der Meinung, dass gerade durch die Blockierung des Wettbewerbs die Preise auf einem zu hohen Niveau bleiben. Durch die am 3. März dieses Jahres verabschiedete neue Verordnung für den Erdgasbinnenmarkt, will die EU den Wettbewerb auf dem Gasmarkt stärken und so die Preise niedrig halten. Zur Unterstützung des Wettbewerbs soll zum Beispiel die Produktion von Gas komplett vom Verkauf und dem Lieferdienst getrennt werden. Außerdem verpflichten sich die einzelnen EU-Staaten, Dritten den Zugang zu den EU-Gasversorgungsnetzen zu ermöglichen. Gerade auf diesen freien Zugang, zum Beispiel zur Jamal-Pipeline, ist Polen aber angewiesen, wenn das Land CO2-reduziert die Stromversorgung absichern will. Und so wird das polnische Wirtschaftsministerium nicht darum herum kommen, die internen Regelungen für den Gasmarkt neu zu gestalten und die Preisgestaltung dem Markt zu überlassen. Ob die Bevölkerung tatsächlich davon profitieren wird, ist allerdings fraglich.

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