Schneesturm in Polen

Trotz des zwischenzeitlich fast sommerlichen Wetters, hat es in Polen in den vergangenen Tagen einen so starken Temperaturabfall gegeben, dass es zu unerwarteten und heftigen Schneefällen gekommen ist. Wie die polnische Nachrichtenagentur PAP bekannt gab, sind aufgrund der schweren Schneelast mehrere Stromleitungen zusammengebrochen. Dies führte zu einem Stromausfall für 100.000 polnische Haushalte. Auch der Verkehr litt unter den ungewöhnlich späten Schneefällen und ein entwurzelter Baum blockierte stundenlang die wichtige Bahnstrecke zwischen Krakau und Warschau.

Johannes Paul II: Nun Heiligsprechung?

Die Vertreter der polnischen Kirche sind optimistisch, dass der verstorbene Papst Johannes Paul II. bald heilig gesprochen wird, nachdem die dafür als Voraussetzung notwendige Seligsprechung am vergangenen Wochenende erfolgte. Das sich ein zweites Wunder für die Heiligsprechung finden lässt, davon sind die Kirchenvertreter überzeugt. „Innerhalb eines Jahres, vielleicht zwei Jahren“, sollte es, laut „Radio Vatikan“, möglich sein, ein Wunder zu finden, das den Anforderungen für eine Heiligsprechung genügt. Für die Prüfung dieses Wunders ist die Heiligsprechungskongregation zuständig. Auch der Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone gab gegenüber der italienischen Medien an, dass seiner Meinung nach die Heiligsprechung schon in „einigen Jahren“ erfolgen könne. Das sich die Vertreter der katholischen Kirche dessen so sicher sind, lässt nicht gerade auf eine ergebnisoffene Ermittlung schließen. Es hat vermutlich aber eine Menge damit zu tun, dass die Kirche in den vergangen Jahren mehr negative als positive Schlagzeilen zu verantworten hatte und ihr Image als „christliche Moralstifter“ stark gelitten hat. Da kommt es auf ein, zwei weitere Manipulationen auch nicht mehr an.

Seligsprechung von Johannes Paul II

Ungefähr 80.000 Besucher aus Polen, werden am Samstag zur Seligsprechung des verstorbenen polnischen Papstes Johannes Paul II., nach Rom reisen. 50.000 der polnischen Touristen, nutzen dabei die angebotene Möglichkeit, anlässlich der Seligsprechung an Kirchlich organisierten Pilgerfahrten teilzunehmen. Auch der amtierende Staatspräsident Bronislaw Komorowski und sein Vorgänger, Lech Walesa, und Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski, haben ihr Erscheinen bei der Veranstaltung zugesagt. Ministerpräsident Donald Tusk wird dagegen an einer der vielen Festakte teilnehmen, die aus diesem Anlass am Wochenende in Polen und vor allem in Wadowice, dem polnischen Geburtsort Karol Wojtylas stattfinden. Dort, ebenso wie in Warschau und Krakau, wird die Zeremonie live auf öffentlichen Plätzen übertragen. Mit mehr als 100.000 Menschen, rechnen die Veranstalter. Zudem soll am Sonntag der noch nicht fertig gestellte „Tempel der Göttlichen Vorsehung“ eingeweiht werden, auf dessen Fassade das weltgrößte Porträt von Johannes Paul II., angebracht wurde, dass aus 100.000 Privatporträts besteht. Auch mehrere Kirchen werden an diesem Wochenende nach dem verstorbenen Papst benannt.

Ausstellung „Truth and Remembrance – The Smolensk Disaster“

Zum Beginn der Woche wurde in Brüssel durch den EU-Parlamentspräsidenten Jerzy Buzek, die Ausstellung „Truth and Remembrance – The Smolensk Disaster“ eröffnet. Diese beinhaltet eine Fotosammlung zum Gedenken an den Flugzeugabsturz des damaligen polnischen Präsidenten Lech Kaczynski, bei dem 96 Menschen starben, die größtenteils für die polnische Regierung gearbeitet hatten. In der Vorbereitung der Ausstellung war allerdings bei einigen der ausgestellten Fotos die Bildunterschrift überklebt worden, da sie den Veranstaltern unpassend und übertrieben erschienen. Das erzürnte jetzt, wie könnte es anders sein, die polnische Oppositionspartei PiS. Zwei der Organisatoren der Ausstellung, Professor Ryszard Legutko und Ryszard Czarnecki, beide Mitglieder der PiS, bezeichneten die Unkenntlichmachung der Bildunterschriften als „Zensur“ und „Skandal“. Man könnte sie allerdings auch einfach als völlig übertrieben und fast schon beleidigend für andere Politiker bezeichnen. Hier ein paar Beispiele:

  • „Kein Politiker war so beliebt wie Professor Lech Kaczyński“
  • „Nach Ansicht vieler Polen war Professor Lech Kaczyński der herausragendste polnische Politiker seit dem 2. Weltkrieg“
  • „Das Flugzeug zerbrach in tausend Stücke. Experten können nicht erklären, wie ein Sturz aus einer Höhe von 20-30 Metern solche Schäden anrichten kann.“
  • „Die Russen zerstörten das Flugzeugwrack, so dass die Arbeit der polnischen Ermittler behindert wurde.“
  • „Die Katastrophe von Smolensk wird von vielen Polen „das zweite Katyn“ genannt. Bei beiden Ereignissen kamen Angehörige der polnischen Elite ums Leben, alle starben in Russland“

Die polnischen Wähler jedenfalls haben, bei der durch den Tod des damaligen Präsidenten notwendigen Neuwahl wenige Wochen später, nicht wieder seine PiS, sondern die damalige Oppositionsparei und heute regierende Bürgerplattform gewählt. Auch das passt nicht ganz zu den Bildunterschriften.

Gedenkfeier in Katyn

Ein Jahr nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine über Smolensk, reiste der neue polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski, anlässlich einer Gedenkfeier für die 20.000 Opfer der vor 71 Jahren in Katyn getöteten Polen, nach Russland. Auch der russische Präsident Dimitri Medwedew nahm an der Gedenkfeier teil. Die Aufarbeitung der Verbrechen in Katyn während des zweiten Weltkrieges, wurde über Jahrzehnte verschleppt und ist einer der großen Streitpunkte zwischen Polen und Russland. Dies versucht die amtierende russische Regierung jetzt zu ändern. Bereits im vergangenen Jahr hat der russische Ministerpräsident Wladimir Putin gemeinsam mit dem polnischen Premierminister Donald Tusk die Gräber in Katyn besucht. Beide Regierungen bemühen sich seit einigen Jahren um eine Annäherung, die jedoch immer wieder durch konservative Bestrebungen seitens der Opposition untergraben werden. Auch der gemeinsame Besuch der Gedenkstätte in diesem Jahr, ging nicht ohne Zwischenfälle ab. Kurz vor der Abreise von Bronislaw Komorowski wurde eine von Russland neu angebrachte Gedenktafel kritisiert, auf der der Reisegrund des abgestürzten ehemaligen polnischen Präsidenten Kaczynski fehlt. „Der Präsident sollte seine Russlandreise absagen“, forderte Oppositionspolitiker Pawel Kowal. Doch der Wunsch nach Versöhnung ist zumindest bei den Regierenden Polens und Moskaus groß und so einigten sich Komorowski und Medwedew während ihres Treffens auf eine gemeinsam ausgearbeitete und zweisprachige Gedenktafel. Bleibt zu hoffen, dass die Geduld der beiden auch in Zukunft größer ist, als die Bemühungen der Konservativen, die beginnende Versöhnung und Zusammenarbeit zu unterbinden.